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Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass viele an Depression leidende Patienten nicht auf die üblichen Medikamente ansprechen, ist der entzündungstherapeutische Ansatz vielversprechend. Photographee.eu – stock.adobe.com
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Depressionen und Entzündungen – Zusammenhang untersucht

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DUISBURG/ESSEN – Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 4 Millionen Menschen unter Depressionen, eine Zahl, die auch eine große Herausforderung für unser Gesundheitssystem darstellt. Häufig wird zwischen physischen und psychischen Krankheiten unterschieden. Forscher kommen jedoch immer mehr zu dem Schluss, dass diese Grenze deutlich fließender ist als erwartet.

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 4 Millionen Menschen unter Depressionen, eine Zahl, die auch eine große Herausforderung für unser Gesundheitssystem darstellt. Häufig wird zwischen physischen und psychischen Krankheiten unterschieden. Forscher kommen jedoch immer mehr zu dem Schluss, dass diese Grenze deutlich fließender ist als erwartet. Zudem kristallisiert sich ein immer deutlicherer Zusammenhang zwischen Depressionen und entzündlichen Erkrankungen heraus. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass viele an Depression leidende Patienten nicht auf die üblichen Medikamente ansprechen, ist der entzündungstherapeutische Ansatz sehr vielversprechend. Die meisten derzeit verfügbaren Antidepressiva erhöhen den Serotonin-Spiegel und verursachen erhebliche Nebenwirkungen.

Jüngste Studien haben sowohl in Frankreich als auch in Deutschland gezeigt, dass es einen nachweislichen Zusammenhang zwischen Depression und Entzündung gibt. So konnte beispielsweise Dr. Sophie Georgin-Lavialle (Sainte-Anne-Krankenhaus/INSERM [1]) nur bei Depressiven erreichen, dass die serotoninbildende Aminosäure Tryptophan plötzlich neurotoxische Derivate wie Chinolinsäure produziert statt Serotonin. Der Grund für diese Funktionsveränderung ist die Überaktivierung von Zellen der körpereigenen Abwehr, die Mastozyten. Diese Studie basiert auf den Arbeiten der Professoren Raphaël Gaillard und Olivier Hermine von der Universität Paris-Descartes, die bereits einen Zusammenhang zwischen Depression und Mastozyten hergestellt haben – einer seltenen Erkrankung, die sich durch eine Überaktivierung der Mastozyten auszeichnet und von der etwa die Hälfte der Betroffenen auch an Depressionen leidet.

In Deutschland wären auf diesem Gebiet vor allem Prof. Harald Engler von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und Prof. Manfred Schedlowski vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) zu nennen. Sie konnten Anfang dieses Jahres aufzeigen, dass im Verlauf einer akuten Entzündung die Konzentration des Immunbotenstoffs Interleukin-6 (IL-6) nicht nur im Blut, sondern auch deutlich in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) ansteigt. Der Anstieg von IL-6 im Liquor hing dabei signifikant mit den von den Probanden berichteten depressiven Anzeichen zusammen: Nahm die Konzentration zu, verstärkten sich auch die Symptome.

Die Wissenschaftler vermuten nun, dass IL-6 über die Blutbahn das Gehirn erreichen und hier durch die Modulation neuronaler Prozesse eine Depression bewirken könnte. Auch wenn weiterführende Untersuchungen noch die genauen Transportmechanismen identifizieren müssen, über die IL-6 ins Gehirn gelangt, weisen diese Befunde auf neue Möglichkeiten hin, depressive Störungen zu behandeln. So ließe sich beispielsweise dieser Botenstoff gezielt blockieren.

Am Universitätskrankenhaus der Charité in Berlin forschen ebenfalls verschiedene Teams der Psychiatrie zu diesem Thema. So untersucht Prof. Julian Hellman-Regen beispielsweise das Potential des Medikaments Minocyclin, das ursprünglich gegen Infektionen der Atemwege und Akne eingesetzt wird und hemmend auf bestimmte Entzündungszellen des Gehirns wirkt. Die Fresszellen des zentralen Nervensystems sind bei Depressiven dauerhaft aktiviert und verursachen so eine chronische Entzündung. Hellmann-Regen hofft, dass mit dem Antibiotikum vor allem schwer depressiven Patienten, die auf kein Medikament ansprechen, geholfen werden kann.

Andere Teams in Frankreich und Deutschland forschen ebenfalls zum Zusammenhang zwischen Depression und Entzündung, u.a. die Abteilung für Psychiatrie und medizinische Psychologie von Prof. Patrick Schmitt am Universitätsklinikum in Toulouse, das Team von Prof. Stefan Gold, Leiter des Bereichs Neuropsychiatrie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Marion Leboyer, Leiterin des Zentrums für Psychiatrie und Suchterkrankungen am Universitätsklinikum Henri-Mondor in Paris. Diese Forschungen bieten neue therapeutische Perspektiven für die Behandlung einer Krankheit, deren Mechanismen bislang noch weitgehend unbekannt sind, und wecken neue Hoffnungen für alle Betroffenen.

Die Französische Botschaft in Berlin veranstaltet im Rahmen seiner Cinescience-Reihe einen Abend zum Thema „Depression: der entzündungstherapeutische Ansatz“. Es wird der Dokumentarfilm „Depression: neue Hoffnung?“ von Dorothee Kaden und Carsten Schollmann gezeigt, gefolgt von einer Gesprächsrunde mit Vera Clemens der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Dr. Claire Gauthier vom Klinikum Sainte-Anne in Paris. Die Veranstaltung findet am 4. April 2017, um 18:30 Uhr in der Französischen Botschaft statt. Der Eintritt ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist jedoch erforderlich unter: https://www.wissenschaft-frankreich.de/de/veranstaltung-nodisplay/cinescience-de....

Nur wenige Tage später, am 7. April 2017, findet in Berlin die nationale Auftaktveranstaltung zum Weltgesundheitstag statt – dieses Jahr zum Thema Depression. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahlreiche andere Akteure werden an diesem Tag weltweit zahlreiche Veranstaltungen zu diesem Thema organisieren.

Quellen: Universität Duisburg-Essen

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